Die Oparl-Schnittstelle soll komplexe Suchanfragen im Ratsinformationssystem Schenefeld ermöglichen. Ursprünglich verhinderte ein technischer Fehler die freie Nutzung. Ist der jetzt behoben?
- In Schenefeld wurde 2024 die Einführung einer Oparl-Schnittstelle beschlossen, um das Ratsinformationssystem zugänglicher zu machen.
- Nach Problemen bei der Freigabe der Schnittstelle wurde der Zugang nun mit einer offenen Lizenz geregelt.
- Die Nutzung der Schnittstelle bleibt in der Praxis begrenzt, da bislang kaum Programme darauf aufbauen.
Vor mehr als einem Jahr tauchte das Thema erstmals im Hauptausschuss auf. Bürger für Bürger (BfB) Schenefeld stellte einen Antrag mit dem schlussendlichen Ziel: Einführung einer Oparl-Schnittstelle. Diese Schnittstelle sollte die Möglichkeit bieten, das Ratsinformationssystem der Stadt in Zukunft bürgerfreundlicher zu machen. Am 14. November 2024 verabschiedete der Hauptausschuss den ursprünglichen Antrag. Die Schnittstelle existiert jetzt, aber der Weg dahin war steinig.
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Das Ratsinformationssystem der Stadt Schenefeld heißt Allris. Unter sitzungsdienst-schenefeld.de kann jeder Bürger einsehen, was die Ausschüsse heute und früher beschäftigte. Wer etwas über einen Bebauungsplan in seiner Gegend wissen will, kann dort nachschlagen. Einfach sei das jedoch nicht. „Simple Suchanfragen sind manchmal erfolgreich“, sagt Jörg Christoffers von BfB. Werde es komplexer, wisse das System aber keine Abhilfe mehr.
Oparl-Schnittstelle erleichtert digitale Datensuche
In der Tat – Schlagwortsuche funktioniert, aber Volltextsuche ist aktuell nicht möglich. „Wenn du jetzt im System fragst: ‚Wann wurde in den letzten sechs Jahren zuletzt über Einbahnstraßen im Bebauungsplan 1 geredet und wie hat welcher Politiker abgestimmt?‘ – keine Chance, geht nicht“, sagt Christoffers. Das soll die Oparl-Schnittstelle ändern. Erst mit Einführung dieser würden solche Anfragen möglich. „Oparl ist ein Türöffner und ermöglicht es einem Computer, alle öffentlichen Daten zu durchsuchen“, so der Politiker.
Aber: Es handelt sich dabei nicht um eine fertige App. Die Schnittstelle macht es lediglich möglich, solche Apps zu kreieren und sie auf das Ratsinformationssystem zugreifen zu lassen.
Hauptausschuss entscheidet über Schnittstellen-Zugang
Seit der Verabschiedung des ursprünglichen Antrags vom 14. November 2024 ist einiges passiert. Damals wurde die Verwaltung beauftragt, die einmaligen und laufenden Kosten für die Schnittstelle zu prüfen und technische Anforderungen zu klären. Am 25. März 2025 stellte die Verwaltung das Ergebnis vor. 790 Euro wurden einmalig fällig – 16 Euro pro Monat kostet es, das System zu warten. Die Betreiberfirma wurde kontaktiert und teilte mit, dass eine Oparl-Schnittstelle schnell einzurichten sei.
Der Hauptausschuss musste nur noch entscheiden: Wird die sogenannte System-URL der Öffentlichkeit zugänglich gemacht oder nicht? Die Entscheidung fiel positiv aus. Jeder Bürger sollte auf stadt-schenefeld.de Zugriff auf die System-URL bekommen. Findige Menschen, die sich mit dem Schreiben von Computerprogrammen auskennen, hätten die URL selbst nutzen können. Dann passierte allerdings ein Fehler.
Unklare Zugangsbeschränkung im Bürgerinformationssystem
„Auf der System-URL stand: ‚Datenabfrage erlaubt nur nach Nachfrage‘“, sagt Christoffers. Dabei hatte der Hauptausschuss sich ja gerade für diese Variante nicht entschieden. Eigentlich hätte dort sinngemäß stehen sollen: Nutzung für jeden möglich.
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Also stellte die BfB erneut einen Antrag, um diesen Fehler zu beheben. „Das zu korrigieren, dauert 15 Minuten“, sagt Christoffers. Der Antrag fand seinen Weg in den Hauptausschuss – am 18. November 2025. Dass die Änderung simpel sei, hätten die Ausschussmitglieder laut Christoffers nicht verstanden. Er habe versucht, es so zu erklären: „Die Stadt hat einen Container mit Akten gekauft und den aufstellen lassen. Da hängt ein Schild an der Tür: ‚Eintritt nur auf Nachfrage‘. Das Schild müsst ihr jetzt einfach entfernen.“
IT-Anpassung abgeschlossen
Der Ausschuss stimmte jedoch nicht zu. Stattdessen wurde der Antrag zur weiteren Beratung in die Fraktionen verwiesen. Die Verwaltung sollte prüfen, ob weitere Kosten anfallen. Tobias Behn, im Rathaus zuständig für IT, sagt: „Wir arbeiten eng mit dem Anbieter der Schnittstelle zusammen.“ Die Stadt werde den Ausschuss vermutlich 2026 informieren, was mit der Schnittstelle passiert.
Ein Blick auf die Website verrät: Das Schild am Container ist bereits abgehängt. Mittlerweile steht dort: „Creative Commons Namensnennung 4.0 International“. Kurzum: Der Fehler ist behoben. Das fand Christoffers durch einen Anruf beim Dienstleister cc e-gov heraus. „An dem Dienstag wurde der Antrag abgelehnt, am Donnerstag hat die Verwaltung das geändert“, sagt er. Das bestätigt Behn: „Die Anpassung ist erfolgt.“
Keiner nutzt die Datenbank – außer Jörg Christoffers
Die Schnittstelle liegt nun also parat – von der Stadt wird sie noch nicht genutzt. „Wahrscheinlich bin ich einer der wenigen, der die URL nutzt. Ich habe die Daten der letzten 20 Jahre in eine private Datenbank geklont, inklusive Anhänge“, sagt Christoffers.
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Auch mal den kurzen Dienstweg nutzen
Um den Fehler zu beheben, musste ein neuer Antrag gestellt werden. Bis der es in den Hauptausschuss schaffte, dauerte es Monate. Warum braucht es dafür überhaupt einen Korrekturantrag? Natürlich sollten weder die Verwaltung noch die Politik unbedacht handeln. Aber solche Angelegenheiten müssen auf dem kurzen Dienstweg möglich sein. Immerhin hatte die Politik ja für die Schnittstelle gestimmt. Dann kann es doch nur im Interesse aller sein, dass die so schnell wie möglich voll funktionsfähig ist.
Warum der Hauptausschuss nicht für den Korrekturantrag stimmte, ist genauso fraglich. Vielleicht ist es mangelndes Verständnis, vielleicht übermäßige Vorsicht. Die Verwaltung sollte dann die Anpassung prüfen. Tatsächlich ließen sie den Fehler einfach beheben – innerhalb weniger Tage.
So hätte es von Anfang an laufen müssen, ohne irgendwelche Zwischenschritte. Verwaltung und Politik müssen unkomplizierter werden. Sonst kommt Schenefeld nie im digitalen Zeitalter an.